Wintersonnenwende

Nach einer Pause von über einem Monat melde ich mich wieder zurück… Leider war es mir nicht möglich, in der letzten Zeit zu schreiben, denn ich war mit dem Aufbau meiner Schule sehr beschäftigt, so dass mir die Zeit und Muse fehlte, mir noch etwas für meinen Blog einfallen zu lassen. Nun konnte ich mir dieses Wochenende wieder etwas Zeit freischaufeln und ein Legesystem vorstellen, dass in die aktuelle Zeitqualität passt: Es geht um die Wintersonnenwende und Tarot.

Nun wird  der 21.12.2012 sehr diskutiert… Ich möchte hier – in diesem Eintrag – Details nicht aufführen. Nur so viel: Ich gehöre nicht zu der Fraktion der Weltuntergsvertreter – genauso wenig aber maße ich mir an zu behaupten, die Mayas hätten einfach zu zählen aufgehört, wie oft behauptet wird. In diesem Beitrag geht es primär um die Wintersonnenwende und wie man den Tarot dafür gebrauchen kann.

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Die Wintersonnenwende am 21.Dezember

Bereits weit vor der Ausbreitung der christlichen Religionen wurde in verschiedenen Kulturen  Weihnachten gefeiert. Immer zur  Wintersonnenwende feierte man die „Wiederkehr des Lichts“  – doch was ist genau darunter zu verstehen?

Im Gegensatz zu der heutigen zivilisierten Welt hatten die Menschen früher einen starken Bezug zur Natur und waren deshalb in die natürlichen kosmischen Abläufe eingebettet. Sie beobachteten die Bewegung der Himmelskörper und fanden darin einen Zusammenhang mit den Geschehnissen auf der Erde. Besonders die Rhythmen von  Sonne und der Mond – aus denen sich letztendlich auch unsere heutigen Kalender bildeten – galten als Zeitmesser.

Während der Mond also von jeher den Tag misst, ist die Sonne maßgebend für das Jahr.  Zwar weiß man mittlerweile, dass es nicht die Sonne ist, die ihre jährliche Bahn vollzieht, sondern sich die Erde um die Sonne dreht, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die Sonne für die Rhythmen der Natur verantwortlich ist und somit alles Leben auf der Erde steuert.

Mit dem Eintritt in das Widder-Zeichen am 21. März kündigt die Sonne den Frühling und den Beginn des astrologischen Jahres an, während sie am 21. Juni – im Wendepunkt des Krebses und zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende –  ihre höchste Kraft erreicht hat und die nun die kürzer werdenden Tage beginnen lässt.  Zur Herbsttagundnachgleiche am 21. September erinnert sie nun auffälliger daran, dass ihre Strahlkraft und Wärme kontinuierlich nachlässt; es ist nicht nur der Herbstanfang und der Eintritt in das Tierkreiszeichen Waage, sondern auch der Zeitpunkt, wo sich die Helligkeit und Dunkelheit  buchstäblich „die Waage halten“, denn der  Tag ist nun genauso lang wie die Nacht. Doch der Sonnenbogen verkleinert sich zusehends, so dass die Tage immer kürzer werden. Wissenschaftler können längst nicht nur nachweisen, dass sich während dieser Zeit der  auch der menschliche Stoffwechsel umstellt, um Energie zu sparen, auch können sie mittlerweile belegen, dass es  Naturvölker gab, die sich im Herbst zurückzogen, um  die  meiste Zeit zu schlafen und erst im  Frühjahr wieder aktiv am Leben teilzunehmen.  Wenn also der Mensch für den Winterschlaf genetisch prädestiniert ist, ist es wiederum kein Wunder, dass die einbrechende dunkle Zeit vielen zu schaffen macht oder zumindest als Zeit des Rückzuges verstanden wird. In unseren Breiten beträgt die Dauer der Dunkelheit in dieser Zeit nun bis zu 15,5 Stunden täglich, während in den skandinavischen Ländern die Sonne erst am späten Vormittag aufgeht, um bereits am Nachmittag wieder zu verschwinden.

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Doch mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember – in unseren Breiten der offizielle Winteranfang –  nehmen die Stunden des Tageslichts endlich wieder zu, wenn auch kaum merklich, und diese Zeit wird als Sonnenwiederkehr seit jeher gefeiert: Bereits in vorchristlicher Zeit wurde zu diesem Anlass das „Julfest“ veranstaltet ; die Nächte nach der Wintersonnenwende wurden die „wihen Nahten“ –(die „geweihte Nächte“)  genannt.  Die alten Germanen glaubten sogar, dass die Sonne in dieser Zeit für einen Tag stillstünde und nannten diese Zeit „Solstitium“, aus dem sich das im englischsprachigen Raum gebräuchliche Wort „Solstice“ (für „Sonnenwende“) ableitet.

Bei den Kelten wurde das Wintersonnenfest „Alban Arthuan“ bezeichnet  und als „Zeit der neuen Hoffnung“ verstanden.   Ebenso zelebrierten die alten Römer den  25. Dezember als den „Tag der unbesiegbaren Sonne“ und folgten dabei ihrem Lichtgott Mithras, woraus der „Mithras-Kult“ entstand.

Auch das 4000 Jahre alte chinesische „I Ging“ – auch „Buch der Wandlung“ genannt – berichtet von der Wintersonnenwende und in diesem Zusammenhang von einem Fest, das  diese offizielle „Ruhezeit des Jahres“ entsprechend huldigte.  Im Hexagramm Nr. 24, das „Fu – Die Wiederkehr“ lautet, wird berichtet, dass während dieser Zeit die alten  Könige die Pässe schlossen, Wanderer und Händler keine anderen Gegenden bereisten  und keine Geschäfte machten.  Hatte man die dunkle Jahreszeit als eine „Zeit des Verfalls“ verstanden,   betrachtete man die Sonnenwiederkehr als die Vertreibung der Dunkelheit.

Auch wenn man heute weiß, dass die Kirche erst im Jahre 354 das Geburtsfest von Jesus Christus vom 6. Januar auf dem 25. Dezember verlegte, ist auch anzunehmen, dass in alten Zeiten die Rückkehr  gefeiert wurde,  denn so genannte „ Kämpfe gegen Winterdämonen“ lassen sich bis in babylonische Zeitalter zurückverfolgen.

So kann man davon ausgehen, dass in vielen alten Kulturen die Wiederkehr der Sonne stets gefeiert und von sämtlichen Völker und Kulturen in ähnlicher Art und Weise verstanden wurde, nämlich als Sieg des Guten und Lebenserhaltenden über die finsteren Mächte.  Als Zeichen der eigenen Liebe und der Überwindung des Egos war es bei Kelten und Germanen üblich, anderen Menschen von den angesparten Wintervorräten etwas abzugeben; dieser Brauch hat sich bis heute erhalten, indem man sich zu Weihnachten gegenseitig etwas schenkt. Das häufige Bedürfnis der Menschen, an Weihnachten in sich zu kehren, dabei Bilanz zu ziehen und anderen Gutes zu tun, hat also auch in gewisser Weise mit der Überwindung den eigenen finsteren Anteilen zu tun.  Nicht selten wird diese Zeit auch von nicht religiösen Menschen als eine Zeit der Ruhe und Besinnung genutzt.  Astrologen und Tarotkundige haben den Vorteil, ihr Wissen mit einzubinden.

Die folgenden Legesysteme sollen darin unterstützen, die vergangene Zeit zu reflektieren und sich auf die neue Zeit, in der die Tage wieder heller und wärmer werden, vorzubereiten. Es geht  dabei darum, Altes hinter sich zu lassen und Neues zu begrüßen oder auch einen Blick auf das gesamte kommende Jahr zu werfen.

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Die Sonnenrückkehr

 Für diese Legemethode werden 6  Karten gezogen und wie folge ausgelegt:

1 – Die Sonne: Diese Karte repräsentiert die Sonne und somit das im Moment zentrale Thema im Leben des Fragenden. Diese Karte kann von dem Ratsuchenden auch  offen aus dem Deck gewählt werden. Dies ist ratsam, wenn die Zeit der Wintersonnenwende in Verbindung mit einem bestimmten Thema erfragt werden soll. Sollen die Karten hingegen nur allgemein nach der Zeitqualität befragt werden, wird diese Karte wie die anderen verdeckt gezogen.

2 – Solstitium: Diese Karte bezieht sich auf den augenscheinlichen Sonnenstillstand. Hier wird angezeigt, welches Thema im Moment stillsteht und vom Fragenden nicht beeinflusst werden kann, aber genauer betrachtet werden muss.

3 – Die besiegte Dunkelheit: Hier werden Themen beschrieben,  die vom Fragenden überwunden werden sollten, weil sie nicht ihm nicht mehr dienlich sind. Es kann sich hier um unangenehme Themen handeln, die endlich aus dem Leben des Ratsuchenden verschwinden, aber auch um Bereiche,  die er nicht so gerne aufgibt.

4 – Das neue Licht: Diese Karte kennzeichnet die neue Hoffnung beziehungsweise das, was an das Licht will. Diese Themen sollten (bzw. werden) den Fragenden in der nächsten Zeit bewusst werden.

5 – Der Wunsch: Die Karte auf diesem Platz gibt Auskunft darüber, was sich der Fragesteller wünscht und wonach er sich sehnt.

6 – Die neue Vision: Diese Karte beschreibt die neuen Chancen oder Herausforderungen für  die nächsten Wochen bis zum Frühling. Es empfiehlt sich, diese Karte mit der auf Platz Fünf zu vergleichen, um festzustellen, ob die neuen Perspektiven, die sich ergeben  und hier angezeigt werden, den Wunsch des Ratsuchenden hilfreich ist oder ihm widerspricht.

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 Die Jahreskreis-Legung

 Die Zeit der Wintersonnenwende bietet sich an,  die Karten für das kommende Jahr zu befragen. Die „Jahreskreis-Legung“ zeigt dabei Herausforderungen und Chancen für den Fragenden für den nächsten Sonnenzyklus. Dabei ist zu beachten, dass diese Legung keinen chronologischen Verlauf eines ganzen Jahres widerspiegelt, sondern die wichtigsten Chancen und Herausforderungen, die das Jahr mit sich bringt, aufzeigt.  Die Bedeutungen der Karten auf den einzelnen Positionen leiten sich dabei aus den einzelnen Jahreskreisfesten und deren Sinn ab.  Das Praktische an dieser Legemethode ist, dass sie vom Kartenleger beliebig erweitert oder gekürzt werden kann. Es entscheidet also der Ratsuchende, ob er mit nur vier Karten (die den jeweiligen Beginn einer Jahreszeit symbolisieren und mit römischen Ziffern gekennzeichnet sind), die wichtigsten Grundthemen für das kommende Jahr in Erfahrung bringen möchte, oder ob er mit zusätzlichen vier Karten  (die weiteren  Jahreskreisfesten entsprechen und mit arabischen Ziffern versehen sind)  Details erfragen möchte.  Für die „Jahreskreislegung“ sind also mindestens vier, maximal acht Karten zu ziehen, die in einem Kreis in Richtung Uhrzeigersinn ausgelegt werden:

1 = Neue Vision (Brigid-Fest): Diese Karte entspricht dem Lichtfest am 2. Februar und markiert den Übergang vom alten ins neue Jahr. Sie gibt eine erste Andeutung über die neue Zeit und beschreibt ebenso, wie sich der Fragesteller  darauf einstellen und einstimmen kann.

 

I =  Beginn (Frühlingsanfang): Diese Karte entspricht dem Frühlingsanfang und gibt Auskunft darüber, was im kommenden Jahr wachsen will und nach Entfaltung ringt.

2 = Lebenslust (Beltane): Das Beltane-Fest wird am 1. Mai gefeiert und ist ein Fest der Sinnlichkeit und Freude. Diese Karte beschreibt deshalb die Lebensfreude und Genussfähigkeit, aber auch die Bereitschaft des Fragenden, sich zu binden.

II = Höhepunkt (Sommersonnenwende):Diese Karte beschreibt den Höhepunkt im Laufe des Jahres und drückt aus, was als Maximum  erreicht werden kann. Dieses Ergebnis kann vom Fragenden nicht übertroffen werden, denn es kennzeichnet die höchst erreichbare Fülle.

3 = Ernte (Lammas): Bei Lammas handelt es sich um das traditionelle Schnitterfest am 2. August. Hier geht es also darum, die Ernte einzufahren. Diese Karte gibt deshalb Auskunft über die Früchte unseres Tuns.

III = Ausgleichung (Herbstanfang): Diese Karte steht für die Herbsttagundnachtgleiche und verrät, was wir noch korrigieren müssen, um ein Gleichgewicht zu erreichen; sie kann auch anzeigen, was wir bislang entweder zu viel oder zu wenig beachtet haben und was es nun zu vernachlässigen oder genauer zu beherzigen gilt.

4 = Loslassen (Samhain): Diese Karte entspricht dem Dunkelheitsfest in der Nacht zum 1. November (auch „Halloween“ genannt) und kennzeichnet die hereinbrechende dunkle Jahreszeit und gibt damit auch Auskunft über die subtilen Kräfte, die die Situation des Fragenden beeinflussen, ohne dass er sie bewusst wahrnimmt.

IV = Abschluss und Wiedergeburt (Wintersonnenwende):  Diese Karte entspricht dem tiefsten Punkt der Dunkelheit, in der das Licht wiederkehrt und beschreibt somit jenes Thema, das nun aufgegeben werden muss (diese Wintersonnenwende kann auch mit dem Legesystem „Die Sonnenrückkehr“ genauer hinterfragt werden).  Diese Karte zeigt also alles Vergängliche auf, während die Karte auf Position I alles Neue im Leben des Fragenden ankündigt.

Ich wünsche allen Lesern gute Karten!

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