Über die Karten

Texte: © Susanne Zitzl
Karten:  mit freundlicher Genehmigung von Koenigsfurt-Urania.com

 Kipper-10-Reise-gross

Eines vorweg: Für mich sind die Kipperkarten nicht nur „Wahrsagekarten“, sondern auch ein Stück deutsche Zeitgeschichte. Was sie mit den Lenormand- bzw. Zigeunerkarten gemeinsam haben, ist, dass man die Schöpfer der Karten nicht genau kennt. Doch im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Kartenorakeln sind diese Karten so gut wie unverfälscht und im Original erhalten. Die Änderungen die vorgenommen wurden:

  • Im Original wurden Sie spiegelverkehrt aufgelegt – mit Ausnahme der Karte Nr. 22 „Militärperson„. Warum das erfolgte, ist nicht ganz klar, vermutlich aus drucktechnischen Gründen. Und warum ausgerechnet die „Militärperson“ davon ausgenommen wurde, ist auch nicht bekannt.
  • Gesichter wurden ein bisschen verändert und „freundlicher“ gezeichnet, die Farben nachkoloriert.

Die Kipperkarten werden gerne als Alternative zu den Tarotkarten benutzt, denn sie wirken nicht sehr komplex und bestechen durch ihre Schlichtheit und Unschuld. Auch werden sie  manchmal verwendet, um sich an konkreten Ereignisprognosen zu versuchen – während der Tarot als Spiegel unserer Seele „nur“ unser Empfinden anzeigt, aus dem sich die Entwicklung einer Angelegenheit ableiten lässt, lassen die Kipperkarten mit dem Namen „Viel Geld gewinnen“ oder „Ein kleines Kind“ vermuten, dass man aus ihnen die Ereignisse für die Zukunft ablesen kann. Aber sind die Kipperkarten tatsächlich auch dafür geeignet, Konkretes im voraus festzustellen, wie man es häufig im Fernsehen sieht? Tatsächlich wurden die Karten damals geschaffen, um normale Wahrsagerei zu betreiben – also die Alltagsereignisse und das Schicksal zu hinterfragen -, und nicht um Psychologie zu betreiben, wie wir es heute kennen. Auffallend sind die scheinbar einfachen, mit sprechenden Bezeichnungen versehenen Illustrationen der 36 Karten. Und zweifellos verfügen sie nicht über die archetypischen oder numerologischen Hintergründe wie es der Tarot tut. Offensichtlich ist es auch, dass in den Kipperkarten sehr viel Personenkarten vorkommen. Die Szenarien auf den Karten beschreiben eine sehr private Welt, dies bedeutet, dass sich vieles in den eigenen vier Wänden abspielt und darin unterschieden sich die Kipper-Karten obendrein auch grundsätzlich von anderen Wahrsagekarten.

Doch trotzdem ist auch hier bei der Interpretation von konkreten Ereignissen Vorsicht geboten, denn hierfür sind die Bedeutungen der einzelnen Karten viel zu facettenreich. Betrachten wir einmal einige Beispiele: so gibt es bei den Kipperkarten z.B.  auch eine „Todeskarte“. Sie heißt „Ein Todesfall“ und hat mit der Karte „XIII Der Tod“ aus dem Tarot schon mal eines gemeinsam: sie ist auf keinen Fall wortwörtlich zu nehmen! „Ein Todesfall“ zeigt an, dass eine Situation oder Angelegenheit zu Ende geht; natürlich kann es sich hier um ein unangenehme und unliebsame Situation handeln. Des weiteren kann die Karte „Ein Todesfall“ den Fragesteller auffordern, Motivationen und innere Einstellung zu überprüfen: So kann sie auch – pauschal ausgedrückt – eine Stimmung anzeigen, die wir „negative Schwingung“ nennen. Ähnlich verhält es sich bei der Deutung mit Karten wie „Eine Reise“ oder „Viel Geld gewinnen“: Hier wird nicht unbedingt ein Urlaub oder der lang ersehnte Geldsegen angezeigt. „Eine Reise“ zeigt meist einen Neubeginn oder Aufbruchsstimmung an – ähnlich wie „VII Der Wagen“ im Tarot, der nicht unbedingt für eine geografische Veränderung stehen muss, sondern in erster Linie ankündigt, dass Schwung in eine Angelegenheit kommen kann. Die Kipper-Karte „Viel Geld gewinnen“ besitzt grundsätzlich die Eigenschaft „zahlreich“ und muss daher nicht unbedingt einen Geldgewinn ankündigen, sondern kann auch für ideelle Werte stehen (die umliegenden Karten zeigen an, welcher Lebensbereich davon betroffen ist). Auch sind die häufig vorkommenden Personenkarten in den Kipperkarten nicht unbedingt wörtlich zu verstehen. Die Karte „Reicher guter Herr“ zeigt nicht zwingend den (lang ersehnten) wohlhabenden Junggesellen an, sondern steht vielmehr für alle Geldgeschäfte oder Institutionen, die mit Werten zu tun haben: Eine Firma, die Bank, der Berater…. Die Karte kann auch den Sohn symbolisieren – sie zeigt jedenfalls Menschen oder Einrichtungen an, die mit einer Versorgung bzw. Verantwortung in Verbindung gebracht werden.

Solche Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Arbeitet man für eine geraume Zeit mit den Kipperkarten, wird man jedenfalls bald feststellen, dass diese in der Zeit des Vormärz entstandenen Karten dem Tarot gar nicht so unähnlich sind, denn auch sie bedienen sich einer Bild- und Symbolsprache und zeigen den tendenziellen Verlauf einer Situation oder Entwicklung an. Ihr Vorteil liegt darin, dass man sie auch auf der materiellen, physischen Ebene deuten kann. Durch ihre Illustrationen und wörtlichen Bezeichnungen, die zum Teil sehr direkt und wertend sind, vermitteln die Kipperkarten auf dem ersten Blick den Eindruck, dass sie sich sehr konkret mitteilen bzw. determinierte Ereignisse ankündigen.

Wir sollten uns aber auch hier vor Augen halten, dass unser Unterbewusstsein auf Symbole reagiert und sich nie direkt, sondern bildhaft, d.h. durch Formen, Bilder und Farben, mitteilt. Arbeitet man eine Weile mit den Kipperkarten, wird man mit der Zeit feststellen, dass sie sich – trotz ihrer Einfachheit – tiefgründig sein können; sie sprechen nur eine etwas andere Sprache als der Tarot oder die Bilder anderer Karten. Gerade die Schlichtheit der Kipperkarten fordert uns auf, sich genauer mit den Bildern auseinander zu setzen und die verschiedenen Karten untereinander zu kombinieren. Wie bei anderen Orakeln empfiehlt es sich, die gezogenen Karten einschließlich persönlicher Kommentare schriftlich festzuhalten, also die gelernten Bedeutungen, aber auch die persönlichen Assoziationen und Eindrücke, zu notieren und die Legung für einen gewissen Zeitraum zu beobachten.

Um mehr zu erfahren, besuchen Sie auch meine Seite kipper-karten.com.